Stahl-Grundwissen

Stahl ist eine Legierung aus Eisen und Kohlenstoff mit in der Regel weniger als rund 2 % Kohlenstoff. Über Legierungselemente wie Chrom, Molybdän, Nickel oder Vanadium und über die Wärmebehandlung lassen sich Härte, Zähigkeit und Korrosionsbeständigkeit gezielt einstellen. Hier beantworten wir die Fragen, die uns zu Stahl am häufigsten erreichen: ob Stahl magnetisch ist, welche Stahlsorten es gibt, wie man Werkstoffnummern liest, was Härten und Vergüten bedeuten und wie man das Gewicht berechnet.

Ist Stahl magnetisch?

Ja, fast alle Stähle sind magnetisch. Unlegierte und niedriglegierte Stähle, Werkzeugstähle und Schnellarbeitsstähle haben ein ferritisches oder martensitisches Gefüge und werden von einem Magneten angezogen. Deshalb lassen sich Platten aus 1.1730 oder 1.2379 auch auf einer Magnetspannplatte aufspannen.

Die Ausnahme sind austenitische Edelstähle wie 1.4301 oder 1.4404. Sie sind im Lieferzustand praktisch nicht magnetisierbar. Durch Kaltumformung können sie leicht magnetisch werden. Ferritische und martensitische Edelstähle wie 1.4016 oder 1.4112 sind dagegen magnetisch. Warum das so ist, erklären wir ausführlich unter Ist Edelstahl magnetisch?.

Nicht magnetisch sind NE-Metalle wie Aluminium, Kupfer, Messing und Bronze.

WerkstoffMagnetisch?Beispiel
unlegierter Stahl, Baustahl ja 1.0570 (St 52-3)
Werkzeugstahl ja 1.2379, 1.2312
Vergütungsstahl ja 1.7225 (42CrMo4)
ferritischer und martensitischer Edelstahl ja 1.4016, 1.4112
austenitischer Edelstahl nein (kaltverformt leicht) 1.4301, 1.4404
Aluminium, Kupfer, Messing nein NE-Metalle

Stahlsorten im Überblick

Die Norm DIN EN 10020 teilt Stähle nach ihrer chemischen Zusammensetzung in drei Hauptklassen ein: unlegierte Stähle, nichtrostende Stähle (mindestens 10,5 % Chrom, höchstens 1,2 % Kohlenstoff) und andere legierte Stähle. In der Praxis unterscheidet man Stähle eher nach ihrem Einsatz:

StahlsorteMerkmalBeispiele bei Nagler
Baustahl gut schweißbar, für Konstruktionen 1.0570
Vergütungsstahl wird gehärtet und angelassen, hohe Zähigkeit 1.7225 (42CrMo4)
Einsatzstahl kohlenstoffarm, wird an der Oberfläche aufgekohlt und gehärtet 1.2162 (21MnCr5)
Kaltarbeitsstahl Werkzeugstahl für Einsatztemperaturen bis rund 200 °C 1.1730, 1.2379
Warmarbeitsstahl Werkzeugstahl für höhere Einsatztemperaturen 1.2343
Kunststoffformenstahl oft vorvergütet, gut polierbar 1.2312, 1.2083
Schnellarbeitsstahl (HSS) behält seine Härte auch bei hoher Temperatur 1.3343
Nichtrostender Stahl mindestens 10,5 % Chrom 1.4112

Alle Güten als Präzisionsflachstahl finden Sie in der Übersicht Präzisionsflachstahl.

Werkstoffnummern richtig lesen

Die Werkstoffnummer nach DIN EN 10027-2 hat das Format 1.XXYY. Die erste Ziffer 1 steht für Stahl. Die beiden folgenden Ziffern bilden die Stahlgruppennummer und verraten, um welche Art Stahl es sich handelt:

StahlgruppeBedeutungBeispiel
1.00 bis 1.07 unlegierte Grund- und Qualitätsstähle 1.0570
1.15 bis 1.18 unlegierte Werkzeugstähle 1.1730
1.20 bis 1.28 legierte Werkzeugstähle 1.2379, 1.2312
1.32 bis 1.33 Schnellarbeitsstähle 1.3343
1.35 Wälzlagerstähle 1.3505 (100Cr6)
1.40 bis 1.45 nichtrostende Stähle 1.4112, 1.4301
1.50 bis 1.84 legierte Baustähle, z. B. Vergütungs- und Einsatzstähle 1.7225 (42CrMo4)
1.85 Nitrierstähle  

Neben der Werkstoffnummer gibt es den Kurznamen, zum Beispiel 42CrMo4 für 1.7225. Er nennt den Kohlenstoffgehalt (42 = 0,42 %) und die wichtigsten Legierungselemente. Andere Metalle haben eigene Hauptgruppen, zum Beispiel 2 für Kupferwerkstoffe und 3 für Aluminiumwerkstoffe.

Wärmebehandlung: Härten, Vergüten, Nitrieren

Erst die Wärmebehandlung macht aus einem Stahl ein einsatzfähiges Werkzeug oder Bauteil. Die wichtigsten Verfahren im Überblick:

VerfahrenWas passiertErgebnis
Weichglühen Erwärmen und langsames Abkühlen weicher, gut zerspanbarer Zustand für die Bearbeitung
Härten Erwärmen auf Härtetemperatur und schnelles Abkühlen (Abschrecken) sehr hohe Härte, aber spröde
Anlassen erneutes Erwärmen nach dem Härten weniger Sprödigkeit, höhere Zähigkeit
Vergüten Härten und anschließendes Anlassen bei höheren Temperaturen hohe Festigkeit bei guter Zähigkeit
Einsatzhärten Aufkohlen der Randschicht, dann Härten harte Oberfläche, zäher Kern
Nitrieren Stickstoff diffundiert in die Randschicht, ohne Abschrecken harte, verschleißfeste Randschicht fast ohne Verzug

Konkrete Temperaturen hängen vom Werkstoff ab. Ein Beispiel finden Sie bei 42CrMo4 härten und vergüten. Mehr zum Nitrieren und welche Stähle dafür geeignet sind, lesen Sie im Ratgeber Nitrieren.

Gewicht von Stahl und Aluminium berechnen

Das Gewicht ergibt sich aus Volumen mal Dichte. Mit Maßen in Millimetern und der Dichte in g/cm³ gilt:

  • Platte und Flachstahl: Gewicht in kg = Länge × Breite × Dicke × Dichte / 1.000.000
  • Rundstahl: Gewicht in kg = 3,1416 × Durchmesser² / 4 × Länge × Dichte / 1.000.000

Beispiel: Eine Stahlplatte mit 500 × 300 × 20 mm wiegt 500 × 300 × 20 × 7,85 / 1.000.000 = 23,6 kg. Ein Rundstahl mit Ø 50 mm und 1.000 mm Länge wiegt rund 15,4 kg. Die gleiche Platte aus Aluminium wiegt nur rund 8,1 kg.

WerkstoffDichte in g/cm³
Stahl, unlegiert und niedriglegiert 7,85
Edelstahl 1.4301 7,9
Edelstahl 1.4404 8,0
Aluminium (rein) 2,70
Aluminium EN AW-7075 2,80
Messing ca. 8,5
Kupfer 8,96
Titan 4,5
Wolfram 19,25

Richtwerte. Die genaue Dichte hängt von der Legierung ab.

Werkstoff und Zuschnitt bei Nagler

Wir liefern Werkzeugstahl, Präzisionsflachstahl und NE-Metalle ab Lager in Lüdenscheid, auch als Zuschnitt nach Maß ab einem Stück. Wenn Sie unsicher sind, welcher Werkstoff zu Ihrer Anwendung passt, beraten wir Sie gern.

Häufige Fragen

Ist Stahl magnetisch? Ja, fast alle Stähle sind magnetisch, auch Werkzeugstähle und ferritische oder martensitische Edelstähle. Nur austenitische Edelstähle wie 1.4301 oder 1.4404 sind im Lieferzustand praktisch nicht magnetisierbar.

Welche Stahlsorten gibt es? Nach DIN EN 10020 unterscheidet man unlegierte, nichtrostende und andere legierte Stähle. Nach dem Einsatz unterscheidet man unter anderem Baustahl, Vergütungsstahl, Einsatzstahl, Werkzeugstahl (Kaltarbeits-, Warmarbeits- und Schnellarbeitsstahl) und nichtrostenden Stahl.

Was bedeutet die Werkstoffnummer 1.2379? Die 1 steht für Stahl, die Stahlgruppe 23 für einen legierten Werkzeugstahl. 1.2379 ist der Kaltarbeitsstahl X153CrMoV12.

Was ist der Unterschied zwischen Härten und Vergüten? Beim Härten wird der Stahl erwärmt und abgeschreckt, er wird sehr hart, aber spröde. Beim Vergüten folgt auf das Härten ein Anlassen bei höheren Temperaturen. So entsteht eine hohe Festigkeit bei guter Zähigkeit.

Wie schwer ist Stahl? Stahl hat eine Dichte von rund 7,85 g/cm³. Ein Kubikdezimeter Stahl wiegt also rund 7,85 kg, ein Kubikmeter rund 7,85 Tonnen.

Wie viel leichter ist Aluminium als Stahl? Aluminium wiegt mit rund 2,7 g/cm³ nur etwa ein Drittel von Stahl.

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